150 Jahre Männergesangsverein "Eintracht" Oberlauda

Festakt zum Vereinsjubiläum würdigt gelebte Chorgemeinschaft und langjähriges Engagement

Er ist 150 Jahre alt geworden, der Männergesangverein „Eintracht“ Oberlauda (MGV), der Chor kleiner aber trotz fehlendem Nachwuchs immer noch singfähig – und das soll auch in Zukunft so bleiben. Auf jeden Fall Grund genug für die Mitglieder das nicht gerade alltägliche Jubiläum gebührend zu feiern. In Zusammenarbeit mit den anderen örtlichen Vereinen wurde schließlich auch eine Geburtstagsfeier vorbereitet und durchgeführt und selbstverständlich hatte man dazu auch eine entsprechende Anzahl von Ehrengästen eingeladen.

Der Vorsitzende Reinhard Haas konnte dazu, neben den Vereinsmitgliedern und Vertretern der örtlichen Vereine, besonders Landrat Christoph Schauder, Bürgermeister Dr. Lukas Braun, Ortsvorsteher Fabian Bayer mit Ortschaftsrat und nahezu das gesamte Präsidium des Sängerbundes Badisch-Franken (SBF) begrüßen. Den musikalischen Teil bestritt das „Geburtstagskind“ unter der Leitung von Wolfgang Haas ausschließlich selbst, am E-Piano von Gisela Dees begleitet. Sein Dank galt gleich zu Beginn allen helfenden Händen vor, während und nach der Veranstaltung und Andrea Sack und Michaela Bauer für die gelungene Ausschmückung des Festzeltes.
Gesanglich eröffnet wurde der Nachmittag mit „Füllt mit Schalle“ (aus „Iphigenie in Aulis“ von Chr. W. Gluck) und dem „Morgenrot“ (R. Pracht). Das gemeinsame Totengedenken galt allen verstorbenen Mitgliedern, vor allem den Dirigenten der vergangenen 50 Jahren Ernst Rippien, Helmut Hahne und Anton Eder und Raimund Holler, der 53 Jahre als Vorsitzender die Geschicke des Vereins geleitet hatte. Der Chor sang dazu die „Wahre Freundschaft“ (Satz Franz König) und das „Oberlaudaer Heimatlied“ (Ernst Rippien, Satz Helmut Hahne).

Landrat Schauder betonte in seinem Grußwort: „Wer 150 Jahre existiert hat Lebenswille bewiesen“. Die Vergangenheit ist für ihn nicht nur das „Gestern“, sie verpflichtet auch für die Zukunft, für die sich allerdings auch die Altersstruktur gerne verbessern dürfte. Aufgeben ist keine Option, dem MGV bescheinigte er einen offensichtlichen Überlebenswillen bei veränderter Besetzung aber gebliebener Begeisterung für den Chorgesang. Gesangvereine sind tragende Kulturträger und ein Engagement bei ihnen und den Vereinen allgemein wichtiger denn je.

Bürgermeister Dr. Lukas Braun lobte beim MGV vor allem die Tatsache, dass man, trotz Nachwuchssorgen, den Kopf nicht in den Sand stecke. Dieses gemeinsame Singen ist und bleibt auch für ihn eine Bereicherung für die Allgemeinheit. Die Lieder sind für alle da, sie und das Singen begleiten die Entwicklungsgeschichte der Menschheit und sind deshalb wichtiger denn je für alle.

Für Ortsvorsteher Fabian Bayer, durch Studium und Ausbildung selbst Musiker, werden, wenn ein Chor singt, immer positive Erinnerungen wach. Musik und Gesang sind und bleiben für ihn wertvoller als leere Worte. Um aus vielen Stimmen einen Chor entstehen zu lassen ist für ihn eine Gemeinschaft notwendig, die beim MGV seit 150 Jahren praktiziert wird. Der in Oberlauda voll integrierte Chor ist und bleibt für ihn ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens. 

Praktisch wie zur Bestätigung leitete danach der Chor mit „Lob und Dank dem Herren (Sancta Maria)“ (Johannes Schweizer) und „Mein Herz gehört dem Mosel(Tauber)wein“ (Heinz Reichwein, Satz Willi Stotz) zur Ehrung langjähriger und verdienter Mitglieder über, die von Reinhard Haas, Wolfgang Runge und Hubert Heffele durchgeführt wurden. Für Runge ist und bleibt dabei die Musik und der Gesang sprachunabhängig und kulturübergreifend, gewährleistet einen „Gleichklang“, der den Menschen allzu oft fehlt. In Oberlauda habe man sich in der Gründerzeit für die „Eintracht“ entschieden und dies auch 150 Jahre erfolgreich vorgelebt. Ein verändertes Freizeitverhalten habe natürlich auch hier Spuren hinterlassen, aber dennoch immer wieder Mittel und Wege gefunden um den Chorgesang zu erhalten.
Heffele bewunderte das Herzblut und Engagement mit dem in Oberlauda weiterhin der Chorgesang gepflegt wird. Die Erfüllung eines Vereinszwecks ist dabei das eine, die Liebe zur Musik das andere. Vereine sind für ihn Orte der Begegnung, der Freundschaft und des Miteinanders. Hier werden Unterschiede überwunden und man verständigt sich mit einer Sprache, eben der Musik.

Reinhard Haas ehrte danach die passiven Mitglieder Hildegard Zetteimaier und Wolfgang Appel (jeweils 40 Jahre) und Bertold Groß (70 Jahre). Hubert Heffele ehrte John Renk (30 Jahre Notenwart), Sascha Renk (35 Jahre Fähnerich, Schriftführer, stellv. Vorsitzender), Josef Ohnedorfer (40 Jahre Notenwart, Pflege der Noten), Jürgen Faul (40 Jahre Schatzmeister), Günter Ambach (40 Jahre Vorstandschaft, auch Sängergruppe 3), Reinhard Haas (40 Jahre Vorstandschaft, auch Sängergruppe 3 und SBF) und Wolfgang Haas (45 Jahre Vizechorleiter, Chorleiter und Vorstandschaft). Die Ehrungen vom Deutschen und vom Badischen Chorverband (DCV und BCV) sprach danach Wolfgang Runge aus. Sie galten dem MGV für die 150 Jahre und Walter Seewald, der mit 75 Jahren exakt die Hälfte davon singt! Entsprechende Urkunden und ein kleines Präsent für jeden gab es zusätzlich auch noch vom MGV. Der Chor selbst ehrte seine Mitglieder mit „Die Unnahbare“ (Jakov Gotovac) und dem „Sängerspruch des Badischen Chorverbands.
Nach dem gemeinsamen Abendessen „blätterte“ Reinhard Haas noch etwas in der Vereinsgeschichte und beschränkte sich dabei auf Anekdoten aus dem Vereinsleben der letzten 50 Jahre, offensichtlich mit einem hohen Wiedererkennungswert wie die Reaktionen der Anwesenden zeigten. Man war dabei nicht nur viel unterwegs gewesen sondern musste dabei auch die eine oder andere angenehme oder weniger angenehme Situation meistern. Zu Schaden ist dabei aber niemand gekommen.
Mit „Der gute Schluck“ (Rudolf Desch) und „Das Wort heißt Frieden“ (Alex Link, Satz Manfred Bührer) endete der offizielle Teil dieses Festaktes und für die Sänger heißt dies erst einmal Sommerpause. Im September beginnen dann wieder die üblichen Proben.

Text und Bild: Reinhard Haas