Oberlaudaer Narren liefen zur Höchstform auf!

Die Narrengesellschaft Oberlauda begeistert mit einer spektakulären Fremdensitzung voller närrischer Höhepunkte und musikalischem Glanz.

Im Jahr vor dem großen Narrenringumzug hat die Narrengesellschaft Oberlauda bei ihrer Fremdensitzung alle Register gezogen. Dabei war alles was närrischen Rang und Namen hat: Prinzenpaare und Tollitäten, Präsidenten, Elferräte und Abordnungen von befreundeten Gesellschaften. Die fünfte Jahreszeit verbindet eben. Für den optimalen musikalischen Background sorgte einmal mehr die Musikkapelle Oberlauda unter der Leitung von Maximilian Mohr.

Gleich nach dem Einzug und der Begrüßung sorgte des Stadtbaumeisters Tochter Finja als Sicherheitsbeauftragte für den ersten Lacher mit dem Ergebnis: die Auflagen sind Wahnsinn, aber passen in die Zeit und für die Turnhalle zumindest krisensicher geklärt. Der Strumpfkappen-Präsident Stefan Schulz hatte überhaupt nichts dagegen, wenn sein Oberlaudaer Pendant Holger Ebert seine im Vorjahr entfernten Gallensteine für den Neubau der Burg zur Verfügung stellt.
Traditionell von den Fränkischen Herolden aus Kützbrunn in den Saal begleitet, stellte sich danach das Prinzenpaar, Prinzessin Bettina I. und Prinz Christian I., der einzigen närrischen Hochburg der Welt vor. Sie machten ganz nebenbei noch Werbung für mehr Bewegung an der frischen Luft, möglichst mit Fahrrad aus dem eigenen Verleih.

Nach der Begrüßung der Prominenz und einiger Sponsoren ging die Rootzen-Kindergarde im „knallroten Gummiboot“ auf hohe See. Die Kids bekamen dabei Ärger mit Piraten, aber „das kann doch keinen Seemann erschüttern“. Es wurden Eisberge umschifft und mit Haien getaucht und das alles auf jeden Fall ohne „Panik auf der Titanic“. Die erste Rakete des Abends und Zugabe war fast schon eine logische Schlussfolgerung.
Helen Geier hatte als Protokollerin zunächst die Bundestagswahl mit einem unerwarteten Ergebnis für den Wahlkreis auf dem Papier: Nina Warken wurde Bundesgesundheitsministerin. Skandale und Skandälchen im Regierungsapparat hatte sie ebenfalls ins Visier genommen, wie auch den Trump‘schen Elefant im Porzellanladen, der vor nichts Halt macht, Putins Krieg gegen die Ukraine, Irans Volksunterdrückung oder Netanjahus harte Hand im Gaza-Streifen.
Sie gehören in Oberlauda dazu wie der „Rootz“ und das Helau, die Traditionsfiguren der Auguste. Fabian Bayer und Beni Ambach zelebrierten ihren Auftritt anfangs erstaunlich leise und zurückhaltend. Das sollte sich aber schnell ändern, vor allem bei der Frage nach einem Lärmschutz für die Turnhalle und einer verkehrsberuhigten Straße zwischen Lauda und Oberlauda (von allen Anwesenden lautstark abgelehnt). Und dann zeigten sie noch einen Einspieler bei „Sport 1“ mit den „Säüboochklopfern“ während der Dart-WM in Londen, Ergebnis einer erfolgreichen Promotion vor Ort.

Allen Widerständen zum Trotz - aber mit vereinten Kräften: die Befürwortung durch die Präsidenten Holger Ebert und Stefan Schulz bringt im nächsten Jahr den Narrenringumzug nach Oberlauda und Lauda. Zusammen mit den Augusten präsentierten sie ein entsprechendes Werbelied mit dem Text „Nanananana“ für das Publikum, dem umgetexteten „Live is life“ und dem Fazit: Es geht los!
Highspeed und Boxenstopps, dröhnende Motoren und riskante Überholmanöver, alles bot die Jungentanzgruppe beim Schautanz zum Thema „Hochburglegenden, der Große Preis von Oberlauda“. Da wurde die Bühne zum Nürburgring und so ziemlich alle Formel 1-Stars wären vor Neid erblasst, vor allem von der frenetischen Begeisterung des Publikums.
„Öwerlaude förscht“, aber nicht mit der Hauruckpolitik von Trump, Koalitionswechsel in Berlin mit oft utopischen Wahlversprechen, Firmenflauten, -flucht oder -pleiten in Lauda oder Drogenanbau in Oberlauda mit Missernten: die beiden „Exen“ (Ex-Stadträte Werner Kilb und Kurt Breitenstein) hatten mit ihrer unnachahmlichen Art alles im Visier. Seltene Erden gibt es ihrer Meinung nach nicht nur in Grönland, sondern auch in Oberlauda und somit für Trump unerreichbar. Sie plädierten für „30 km/h“ auf der gesamten Tauberachse, obwohl das mehr einschläfernd als wirtschaftsfördernd wirkt und sogar noch für den Rosenmontagsumzug zu schnell ist., hinterfragten den Sparkassenneubau in Tauberbischofsheim trotz steigender Homebanking-Zahlen, allerdings mit Sicherheitsgarantien für Schließfächer, und kritisierten bei der Wasserversorgung für Heckfeld den daraus resultierenden fehlenden Wasserstand beim Mühlkanal.

Marschtanz der Jugendgarde
Der Marschtanz der Oberlaudaer Jugendgarde hatte danach alle dafür erforderlichen Merkmale, von den Figuren und der Geschwindigkeit und das bis hin zur Perfektion. Die Mädchen durften sehr stolz auf ihre Leistung sein und die Trainerinnen auf die Mädchen. Bei den Garden ist der Rootzen-Nachwuchs gesichert.
„Früher war alles besser?“ – oder wie war das beim Fachkräftemangel im griechischen Olymp? Nach Ansicht der Garde der Lemia Krautheim gab es den Bocksbeutel anscheinend bei den Göttern auch schon und den Sirtaki hatten sie auch in ihrem Repertoire. Beim Schautanz wirbelten die Tänzerinnen und Tänzer von der Jagst mit viel Akrobatik und sehenswerten Hebefiguren über die Bühne, zur Freude und Begeisterung des ganzen Saales.

Meisterliche Guggenmusik
Keine Sitzung ohne die Guggenmusik der Säüboochklopfer. Nach dem virtuellen Ausflug nach London glänzten sie nicht nur durch Lautstärke. Ihre Liedinterpretationen waren einfach meisterlich. Da wurde nicht nur der Saal aufheizt, sondern zum Kochen gebracht, einfach „Wahnsinn“.

Die „Amigos“ beschäftigten sich mit dem Weißen Sonntag – mit nicht gerade zierendem Müllcontainer vor der Kirche. Bei der Stadt hatte man Oberlauda mit Oberbalbach verwechselt. Der Mammutzahn konnte nur deshalb in Lauda gefunden werden, weil das friedlich grasende Tier von einem Heckfelder verscheucht wurde. Dafür wurde aber inzwischen der „Uramigo“ ausgegraben, der sich auch prompt auf der Bühne präsentierte. Wofür gibt es in Lauda inzwischen zwei Spielstraßen, eine im Miniformat für Kinder (die kleineste der Welt) und eine hinter Schaufensterscheiben für Erwachsene? Was bedeuten 50 Jahre Liebesgeschichte zwischen Lauda und Königshofen, für die einen ein Reinfall und für die anderen nicht druckfähig? Alles offene Fragen, aber nicht im Zusammenspiel mit Pater Joachim, der nicht nur in der Kirche am Mikrofon ist, sondern auch auf der närrischen Bühne. Die Narren waren begeistert und quittierten mit „Oh, wie ist das schön“, vor allem als Pater Joachim der närrischen Prominenz auf der Bühne das „du“ anbot. Besiegelt wurde dies mit der Ordensübergabe und einem Schnäpschen mit dem Prinzen.
Einen Blick in die Weiten des Weltalls riskierte die Rootzen-Prinzengarde mit ihrem Schautanz als Astronauten. Da ging es auch ohne Warp-Antrieb so richtig ab, ein geradezu galaktischer Auftritt.

Nichts entgeht dem Volapük
Was in Oberlauda sonst noch so passiert war, hatte der „Volapük“ Helmut Schmitt garantiert auf dem Sender. Ob die Gummi- und Latexutensilien für Damen in Lauda in den Räumen eines ehemaligen Raumausstatters, die Bundestagswahl mit überdimensioniertem Plakatwald oder die minutiöse Schilderung des Fällens des Maibaumes nach einer etwas unklaren Zeugenaussage, der Täter ist immer noch unbekannt: Nichts war ihm entgangen. Dazu gehörte auch die positive Abstimmung zum Narrenringumzug. Oder einfacher ausgedrückt: „Volapük ist wie‘s im Ort zugeht, wenn man es manchmal auch nicht versteht“.
Wie kommen „Wickie und die starken Männer“ aus Flake im hohen Norden nach Oberlauda? Die Tänzer des Elferrates schafften es mit ihrem Drachenschiff sogar durch die engen Reihen direkt in die Herzen der Narren, nachdem sie den Präsidenten aus den Händen des schrecklichen Sven befreit hatten – mit einem Tanzduell.
Den Dankesworten des Präsidenten folgte das große Finale mit allen Mitwirkenden auf der Bühne. Die Narren aus Nah und Fern dürfen bereits jetzt schon gespannt sein, was sich die Rootzen für das nächste Jahr einfallen lassen, parallel zum ersten großen Narrenringumzug seit 2019.

Text: Reinhard Haas
Bild: Sascha Renk

(Erstellt am 04. Februar 2026)