Weinbau

Blick auf die Weinberge in Oberlauda

Der Weinbau in Oberlauda blickt auf eine Jahrhunderte währende Tradition zurück. Wann der Weinbau jedoch genau in die Gegend kam, bleibt im Dunkeln der Geschichte. 

Die frühe Besiedlung

Schon die frühen keltischen Bewohner des Taubertals um 450 Jahre vor Christus schätzten Wein als Genussmittel. Die germanischen Bewohner der Gegend, die im zweiten Jahrhundert nach Christus am Bischofsheimer Weg in Lauda siedelten und auch das Volk der Alemannen, die im vierten Jahrhundert nach Christus in Gerlachsheim nachgewiesen wurden, trieben regen Handel mit dem römischen Reich, jenseits des Limes. Folglich kann man davon ausgehen, dass Siedler mit dem Anspruch, länger in einer Gegend zu verweilen, auch Weinbau betrieben haben. In den Talauen herrschte die Sumpflandschaft vor und die Hänge waren bewaldet. Die gerade vorherrschenden klimatischen Verhältnisse waren sicherlich ein wichtiger Faktor, um die Steillagen zu roden und dort wärmeliebende Rebstöcke zu kultivieren. Die Trauben ließen sich durch ihren hohen Zucker-und Säuregehalt leicht über die alkoholische Gärung in ein wohlschmeckendes und haltbares Getränk umwandeln. Für die Landbewirtschafter war alles, was möglich war, um zu überleben, auch ein wichtiger Mosaikstein, um mit den Familien über die langen Winter zu kommen. Hier boten sich die klimatisch mediterranen Hanglagen des Muschelkalks an. Eine andere Nutzung war schwer vorstellbar.

Die Franken kommen

In einer zweiten Welle waren es die Menschen der Fränkischen Landnahme, die Weinbau praktizierten. Gerade durch die auf Dauer ausgelegten politischen Strukturen der Franken war es notwendig, ein Konzept für das gemäßigte Klima und die Hänge des Taubertals zu etablieren. Der Rebstock ist eine Pflanze, die durch ihre tiefen Wurzeln gut mit Trockenperioden umgehen kann. Mit den Klöstern kam auch das Wissen um die Kultivierung von Reben im siebten Jahrhundert nach Oberlauda. Die Südausrichtung des Gewann Klinge und Langer Weinberg luden gerade zum Weinbau ein. Die großen Steinriegel und Trockenmauern sind Zeugen dieser uralten Weinbautradition. Harte Arbeit, um die Hänge offen zu halten, war hierfür notwendig. 
Text: Werner Kilb

Die Blütezeit im ausgehenden 17. Jahrhunderts

Mit der Erstarkung des Klosterlebens durch einen Klosterneubau des Prämonstratenserordens im Jahr 1723 in Gerlachsheim machten deren Büttner, die Familie Buchler, Weine aus dem Taubertal überregional bekannt und so wurden über den Main bei Wertheim die Weine über das Handelsdrehkreuz Frankfurt in den europäischen Markt verkauft. Die Rebfläche im Taubertal umfasste im 18. Jahrhundert einen zusammenhängenden Teppich von zehntausend Hektar. Heute sind noch ca. 800 Hektar bestockte Fläche im Anbau mit abnehmender Tendenz. Aus wirtschaftlicher Sicht waren die vielen kleinen Weinberge die „Sparbüchse“ der Familien in Oberlauda. Die Trockenmauern entlang der Hänge in Oberlauda sind stumme Zeugen einer Jahrhunderte alten Kultur. Erfror der Wein im Frühjahr, standen im Taubertal Hungersnöte an. Gab es jedoch Wein, ging es den Menschen gut. Die vielen Städte von Wertheim bis Rothenburg zeugen von diesem Weinreichtum.

Der Weinberg als Garant einer artenreichen Kulturlandschaft

Reben bedürfen Pflege und so musste man den Bewuchs um die Rebstöcke immer kurzhalten. Durch diese Pflege kam es zu Erosion und offenen, warmen Muschelkalkstellen. In Folge entwickelte sich ein großer Artenreichtum an Tieren und Pflanzen. Gerade die offen gehaltenen warmen Lagen sind ökologisch wertvolle Lebensräume.

Industrialisierung, Monokultur und Pflanzenschutz

In den späten 1880er Jahren kam die Reblaus im Taubertal an und vernichtete alle bisherigen Bestände an Reben. Bis dahin war das Taubertal und deren Nebentäler, wie schon erwähnt, einer der größten Reben-Anbaugebiete in Europa mit enormer wirtschaftlicher Bedeutung. Mit der Einführung der Amerikaner-Rebe, die im Wurzelwerk resistent gegen die Reblaus ist, versuchte man den „dahinsiechenden Weinbau“ wiederzubeleben. Bei diesem Versuch der Wiederbelebung schleppte man jedoch den unechten Mehltau, die sogenannte Peronospora, ein. Mit dem Bau des staatlichen Rebguts zwischen Oberlauda und Lauda im Jahr 1927 gelang es, dem letzten badischen Staatspräsidenten Dr. Josef Schmitt eine Forschungsanstalt zu etablieren, die sich fortan den Sortenstrukturen und der Reblaus-Bekämpfung wissenschaftlich annahm. Die Maßgabe war, den Weinbau wieder zu alter Blüte zu führen. Weine aus der Oberlaudaer Steinklinge waren bis dato hochbegehrte Handelsobjekte und weit über die Region bekannt.

Die Schrumpfung des Weinbaus

Mit dem Kampf gegen die Rebflurbereinigung hatte man in Oberlauda Ende der 1960er Jahre aus wirtschaftlicher Sicht eine große Chance verpasst, heute noch Arbeitsplätze im Weinbau vorzuhalten. Mit den vielen klein parzellierten Flächen erschien es den Oberlaudaern nicht vorstellbar, eine Rebflurbereinigung mehrheitlich durchzuführen. So starb die reich strukturierte Weinbergslandschaft langsam aus. Die Weinbergsbesitzer haben aufgegeben. So werden die früheren Flächen heute beweidet. 

Wein und Tourismus

Mit dem Traditions-Weingut Johann August Sack haben wir noch ein Weingut, welches sich gegen den Zeitgeist stellt und Wein in Oberlauda produziert. Diese erlesenen Weine werden in der Region vermarktet. Der Tourismus im Taubertal erfreut sich hoher Beliebtheit. Ein Grund ist auch die reich strukturierte Landschaft mit Weinbergen als Kultur- und Wirtschaftsraum. Der Weinbau ist wichtiger denn je, da die Zukunft des Taubertals auch im Fahrradtourismus liegt.

Text: Werner Kilb