Männergesangverein

Eintracht Oberlauda e.V.

2026 wird der Männergesangverein 150 Jahre alt. Er hat zwei Weltkriege, Wirtschaftskrisen und interne Tiefpunkte überstanden, aber auch sehr viele Höhepunkte erlebt. Ob noch weitere Höhepunkte dazu kommen bleibt abzuwarten. Die aktuelle Altersstruktur der Sänger sieht nicht gerade positiv aus. Aber wer kann schon in die Zukunft schauen?

Vereinsdaten

  • Gründungsjahr: 1876
  • 1. Vorsitzender: Reinhard Haas
  • 2. Vorsitzender: Sascha Renk
  • Dirigent: Anton Eder
  • 2. Dirigent: Wolfgang Haas
  • Kassier: Jürgen Faul
  • Schriftführer: Sascha Renk

Vereinshistorie

Eigentlich war man beim Männergesangverein (MGV) „Eintracht“ Oberlauda immer vom 19. März 1887 als Gründungsdatum ausgegangen, 100 Jahre später Grund genug für ein großes, mehrtätiges Jubiläumsfest mit der Überreichung der „Zelterplakette“. Allerdings stellte sich wenig später heraus, dass der Verein bereits am 9. Juli 1876 Gründungsmitglied des damaligen „Bauländer-Taubergründer Sängerbundes“, und damit des eigenen Dachverbandes, gewesen war. Die Hinweise dafür hatte der damalige Vorsitzende des Sängerkreises Badisch-Franken, jetzt Sängerbund Badisch-Franken, Wolfgang Weckesser in Verbandsunterlagen entdeckt. Weitere Recherchen im Pfarrarchiv und in Büchern der Kirchenkasse haben inzwischen auch ergeben, dass es 1887 offensichtlich zu einer Trennung von Kirchensängern und Gesangverein gekommen war: der Grund für das „zweite“ Gründungsdatum war gefunden. Geändert hat sich dadurch aber lediglich die Historie des MGV, nicht jedoch der Sinn und Zweck seiner selbstgestellten Aufgabe. 

Für den Verein und den Chor ging es aber in den ersten Jahrzehnten stets bergauf. Bereits 1895 konnte die erste Vereinsfahne eingeweiht werden. Schon sehr frühzeitig schaute man „über den Tellerrand“ hinaus. In der näheren und weiteren Umgebung wurden regelmäßig Sänger-, Stiftungs-feste und Fahnenweihen besucht und selbst war man auch gerne Gastgeber für auswärtige Chöre. Das belegen zahlreiche Protokolle und Auszüge aus Zeitungsartikeln. 

Der Ausbruch des 1. Weltkrieges brachte das Vereinsleben fast völlig zum Erliegen. Die meisten Sänger wurden eingezogen, sechs von ihnen kehrten nicht mehr zurück. Den Kriegsjahren folgten die Inflationsjahre. Trotz Milliarden in der Kasse war man ärmer denn je. Bei einem Konzert in der „Linde“ wurden 1923 beispielsweise Mehl, Eier und andere Lebensmittel als Eintrittsgeld gesammelt. Damit „bezahlte“ man zwei Professoren vom Würzburger Konservatorium. 

Mit einer stabileren Währung geriet auch der MGV wieder in ruhigere Fahrwasser. Man hatte mehr Planungssicherheit und erfreulicherweise immer kompetente Chorleiter. Zur Sangestätigkeit kam nun auch noch das Theater spielen. Die Großereignisse dieser Zeit waren 1932 die Teilnahme am „Deutschen Sängerbund Fest“ in Frankfurt/Main und 1935 beim Badischen Sängerbund in Karlsruhe. 1937 gab es zum 50-jährigen Bestehen die Ehrenurkunde des Deutschen Sängerbundes. Mit einer Theateraufführung am 15. Januar 1939 im Gasthaus „Zur Linde“ und der damit verbundenen Ehrung des Vorsitzenden Anton Michael Sack (für 25 Jahre im Amt) enden zunächst die Eintragungen im Protokollbuch.  

Nach Kriegsende wurden auf Anordnung der Besatzungsmacht sämtliche Vereine aufgelöst. Ohnehin wäre jedoch an ein funktionierendes Vereinsleben nicht zu denken gewesen. Viele Männer waren, soweit nicht gefallen, noch in Gefangenschaft oder mit dem Wiederaufbau der mehr oder weniger zerstörten Heimat beschäftigt. Umso erstaunlicher war es dann, dass der Verein1947 in relativ kurzer Zeit wieder zugelassen wurde. Zur Veranschaulichung: 26 Januar Versammlung mit der Absicht den Verein neu zu beleben, 07. Februar Überreichung des entsprechenden Gesuchs durch Johann Haas und Leonhard Mohr an die Militärregierung in Tauberbischofsheim, 24. März Zulassung des Vereins mit der Auflage, dass die beiden den Vorsitz bzw. den Schriftführerposten übernehmen und 24. April erste Generalversammlung nach dem Krieg.

Es durfte ab sofort wieder gesungen und Theater gespielt werden und beides wurde auch fleißig getan. Gartenfeste und Jubiläen aller Art komplettierten das Veranstaltungsprogramm. Auch mit und für andere Oberlaudaer Vereine war man damals sehr aktiv: die Zusammenarbeit klappte einfach. Wunschkonzerte wurden 1956 für den Kirchenbau und 1964 für den Turnhallenneubau abgehalten.

Der wirtschaftliche Aufschwung der Bundesrepublik lockte auch die Vereinsmitglieder in die Ferne. Ausflügen in die nähere Heimat folgten bald Reisen in die Schweiz, nach Südtirol und Österreich. Positive und gesangliche Veränderungen brachten die 60-er Jahre. Mit der Turnhalle verfügte man über einen relativ großen Versammlungs- und Veranstaltungsort um den man von vielen auswärtigen Vereinen beneidet wurde, Musikdirektor Ernst Rippien hatte die musikalische Leitung übernommen (1960-1974 und 1976-1990),-ein Glücksfall für Verein und Chor-, und Raimund Holler war 1967 zum 1. Vorsitzenden gewählt worden. Er ist es übrigens immer noch und damit über 50 Jahre im Amt. 1980 bekam Ernst Rippien das Bundesverdienstkreuz verliehen und im gleichen Jahr wurde der Verein vom Finanzamt Tauberbischofsheim als gemeinnützig anerkannt. Die Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg gab es 1985 für Raimund Holler und 1997 für Josef Ohnedorfersen. (Schriftführer) und Ludwig Hilpert (Ehrenmitglied). Seit über 30 Jahren ist der MGV durch Günter Ambach (Kassierer) und Reinhard Haas (Schriftführer/Presse) in der Vorstandschaft der Sängergruppe 3 (Lauda) im Sängerbund Badisch-Franken, vertreten und durch Letzteren seit 2014 als Pressereferent auch im Präsidium des Sängerbundes. 

Musikalische Höhepunkte waren (auszugsweise): 1982 Aufführung der Motette von Paul Zoll „Wenn Zeit wie Ewigkeit“ im Rahmen eines Kirchenkonzerts der Sängergruppe 3 in der Grünsfelder Kirche, eine weitere in der Oberlaudaer Kirche folgte, 1986 SDR-Sendung „Klang und Sang aus Stadt und Land“, 1987 eigenes Jubiläum mit mehreren Veranstaltungen in der Kirche, Turnhalle und Zelt (siehe oben), 1988 Teilnahme am Chormusikwettbewerb des SDR mit Auftritt bei der Endausscheidung in der Wandelhalle Bad Mergentheim (2. Platz bei 120 teilnehmenden Chören), 1992 Weihe der neuen Fahne, 1999 nach 35-jähriger Pause wieder ein vielbeachtetes Wunschkonzert, 2001 Mitwirkung an einem Modellkonzert des Badischen Sängerbundes für Schul- und Laienchöre und zusätzlich ein gemeinsamer Auftritt mit dem Don-Kosaken-Chor.

Egal wann und wo man auch auftrat, ob in einem Saal oder einem Zelt, man konnte dabei die sprichwörtliche Nadel fallen hören. Den Oberlaudaer Sängern eilte der Ruf eines Spitzenchors voraus und das war man auch über Jahrzehnte hinweg. Selbst bei der Auswahl des Liedgutes hatte man eine gewisse Vorreiterrolle und die Frage nach dem Schwierigkeitsgrad oder der Länge der Einstudierungsphase war nicht unüblich.  

Große Auftritte blieben dem MGV allerdings in den letzten Jahren verwehrt. Der fehlende Nachwuchs und der Tod vieler wenn auch älterer Sänger forderten einfach ihren Tribut. Trotzdem wird im Chor weiter gesungen, wenn auch mit verringerter Kapazität. Dass man auch damit Erfolg haben kann bewiesen die Sänger bei der Ausrichtung des Liederabends der Sängergruppe 3 im November 2016. Bei diesem intern auch als Ersatzveranstaltung zum eigenen 140-jährigen Jubiläum angesehenen Konzert zeigten sich die Gäste vom Können des Chores angenehm überrascht, der unter dem negativen Vorzeichen der Erkrankung des Chorleiters Anton Eder wenige Wochen vor der Veranstaltung sein Bestes gab, ja sogar über sich hinauswuchs. Es dirigierte der Vizechorleiter Wolfgang Haas. Ein weiterer positiver Aspekt dieses unvergesslichen Abends war auch die Tatsache, dass man bei der Durchführung und Logistik von der Narrengesellschaft und dem Tischtennisverein personell unterstützt wurde. Man hilft sich eben untereinander.

Zu allen Problemen der letzten Monate und Jahre (Nachwuchsmangel, Corona usw.) kam im Dezember 2020 noch der überraschende Tod des Vorsitzenden Raimund Holler dazu. Immerhin bekleidete er 53 Jahre (!!!) dieses Amt und damit vermutlich länger als jeder andere „Kollege“ im Bereich des Badischen und/oder Deutschen Chorverbands.

Text: Reinhard Haas

Kontakt

Reinhard Haas
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